Girlstalk Endometriose – wieso, weshalb, warum und was dagegen möglich ist

Hallo liebe Mädels!

Heute wieder ein  „Wissensblogpost“ für euch, mit einem Krankheitsbild, welches mir erst in den letzten drei Wochen während der Arbeit hier in der Frauenklinik so richtig bewusst geworden ist. Es betrifft jede 10.(!) Frau im gebährfähigen Alter betrifft und ist eine häufige Ursache für unerfüllten Kinderwunsch, zudem kann es auch starke Schmerzen hervorrufen kann.

Es geht um die Endometriose, vielleicht haben einige von euch schon davon gehört! Als Endometrium wird die Schleimhaut der Gebärmutter bezeichnet, die sich jeden Monat erst aufbaut, für die Einnistung einer befruchteten Eizelle bereit macht und falls keine Schwangerschaft eintritt dann wieder abblutet – was sich als unsere monatliche Periode bemerkbar macht. Jedoch kann es auch sein, dass sich Zellen des Endometriums im Bauchraum (oder theroretisch an jeder Stelle im Körper) ansiedeln und hier dem gleichen Zyklus folgen, wie die normalen Zellen in der Gebärmutter. Da die Zellen im Bauchraum fremd sind, reagiert der Körper mit Abwehrmechanismen dagegen und das kann zu Entzündungen und Verwachsungen führen, welche sich durch Schmerzen oder z.B. durch Unfruchtbarkeit bemerkbar machen. Durch die Abhängigkeit der Hormone Östrogen und Progesteron, die während des Zyklus in ihrer Höhe schwanken kommt es meistens zu zyklusabhängigen Beschwerden.

Der Altersgipfel der Erstdiagnose liegt vor dem 30. Lebensjahr und die Endometriose tritt stark gehäuft auf! Bei Verwandten ersten Grades (Mutter zu Tochter) ist das Risiko, dass die Krankheit auftritt sieben Mal so hoch!

Die Endometriose kann sich sehr vielfältig präsentieren und das kann es oftmals schwierig machen eine  Diagnose zu stellen und Betroffenen viel Leid bescheren, denn nichts ist schlimmer als wenn man Schmerzen hat und die Ursache nicht kennt!

Die häufigsten Symptome, die vor allem in Kombination (auch) an eine Endometriose denken lassen sollten sind:

  • Schmerzhafte Regelblutung (die  natürlich auch viele Mädels haben, die keine Endometriose haben!!)
  • Schmerzen beim Sex
  • Dauerhafte Unterbauchschmerzen
  • Abgeschlagenheit (Dauerhafte Müdigkeit, die aber auch sehr viele andere Ursachen haben kann)

Zusätzlich können auch noch folgende Symptome auftreten:

  • Zyklusstörungen
  • Rückenschmerzen
  • Schmerzen beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen

Bis zu 1/3 der Patienntinnen haben allerdings keine Symptome und die Endometriose macht sich erst bei ausbleibender Schwangerschaft bemerkbar!

Wie wird nun vom Arzt festgestellt, dass eine Frau Endmetriose hat? Hier liegt ein wenig das Problem, denn die definitive Diagnose lässt sich nur durch eine Operation, nämlich eine Laparoskopie feststellen, bei der der Bauchraum über eine Kamera angeschaut wird. Zunächst sind aber die Krankheitsgeschichte und die körperliche Untersuchung wichtig, und der Arzt wird eine Therapie aufgrund seiner Verdachtsdiagnose beginnen. Verbessern sich die Beschwerden durch die Therapie nicht, dann kommt es zum nächsten Schritt und der Operation. Dies dauert aber im Normalfall mindestens 3 Monate.

Bei der Endometriose steht die Bekämpfung der Schmerzen im Vordergrund, weshalb normalerweise erstmal mit Schmerzmitteln (wie z.B. Ibuprofen) oder einer Pille gearbeitet wird. Die Pille als Allheilmittel der Frauenärzte? Bei der Endometriose soll durch die Pille erreicht werden, dass die Hormonspiegel nicht schwanken und so auch die zyklusabhängigen Beschwerden eingedämmt werden. Außerdem kann man durch die Pille erreichen, dass die Monatsblutung ganz ausbleibt, was in vielen Fällen zu Beschwerdefreiheit oder Beschwerdeminderung führt! Ist durch eine normale Pille und Schmerzmittel keine Besserung der Symptome möglich, dann ist eine weitere Therapiemöglichkeit, dem Körper weiblichen Hormone weitestgehend zu entziehen und somit zu erreichen, dass sich die Gebärmutterschleimhaut nicht aufbaut und somit auch keine Beschwerden macht. Da diese Therapie aber einige Nebenwirkungen aufweist, die ähnlich der Wechseljahresbeschwerden sind, sollte sie vom Frauenarzt ausführlich diskutiert werden.

Die letzte Möglichkeit stellt dann eine Operation dar, bei der die Endometrioseherde entfernt werden. Leider muss man sich immer vor Augen halten, dass es bei jeder Therapie zu einem Rückfall kommen kann, da es sich bei der Endometriose um eine chronische (dauerhafte) Erkrankung handelt.

Patientinnen, die einen aktiven Kinderwunsch haben, haben je nach Beschwerdeausmaß verschiedene Möglichkeiten um schwanger zu werden, es ist auf jeden Fall eine Schwangerschaft trotz Endometriose möglich! Ein Vorteil in der Schwangerschaft liegt sogar daran, dass durch das Ausbleiben der Menstruation meistens auch die Symptome weniger werden! Leider können diese nach der Geburt auch wieder wie zuvor auftreten.

Therapiemöglichkeiten für das Erreichen einer Schwangerschaft reichen von der Stimulation der Eizellproduktion mit  einem Medikament namens Clomiphen bis zur In-Vitro-Fertilisation und sollten auch ausführlich von der Patientin und ihrem Frauenarzt besprochen werden!

Auch wenn die Endometriose sicher nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist und eine Ernst zu nehmende Erkrankung der jungen Frau ist , lässt sich durch eine adäquate und rasche Therapie gleich nach Diagnosestellung sehr viel erreichen! Keine Frau muss mit den Beschwerden der Endometriose und mit Schmerzen leben, es gibt viele Endometriosezentren, die sich exzellent mit den besten Therapiemöglichkeiten auskennen!

Wie meistens in der Medizin ist es deshalb wichtig, dass ihr zum Arzt geht, wenn ihr schlimme Schmerzen habt oder euch nicht wohlfühlt! Denn wenn ihr unter eurer Menstruation sehr stark leidet und euer Alltagsleben, eure Schul- oder Studiumsnoten oder euer Arbeitsleben dadurch beeinflusst werden, dann solltet ihr das unbedingt abklären lassen und den Schmerz nicht still und tapfer ertragen!

Ich hoffe, ihr konntet etwas aus diesem Artikel mitnehmen, auch wenn ihr (hoffentlich) nicht unter den oben genannten Beschwerden leidet!  Ich finde es super wichtig, dass wir auch über vermeintlich „unangenehme“ Frauenthemen wie Schmerzen bei der Periode oder beim Sex reden können und uns nicht schämen, denn nur wenn beispielsweise unser Arzt/Ärztin Bescheid wissen, dann können sie auch helfen! Stellt euch nur mal vor, Männer hätten eine Periode, einmal im Monat würden sie mit ihren Schmerzen hausieren gehen, sich den Bauch kraulen lassen und vermutlich bezahlten Urlaub nehmen 😉 Also keine falsche Scheu Mädels, ich sag es nocheinmal zum Abschluss, niemand muss übermäßige Schmerzen ertragen! :*

Fühlt euch gedrückt,

eure Anna

 

 

 

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