Annas PJ Stories- der Kaiserschnitt

Hallihallo ihr Lieben! 🙂

Zu später Stunde setze ich mich nochmal kurz hin und schreibe einen neuen Text für meine PJ Stories, damit ihr wieder mal etwas von mir zu lesen bekommt 🙂

Heutiges Thema: der Kaiserschnitt, auf schlau heißt er Sectio cesarea, das wusste ich aber früher auch nicht und hab immer blöd geguckt, wenn jemand irgendwas von Sectios rumgeprahlt hat. Tun wir jetzt also auch mal schlau und sagen wir auch Sectio 😉 Die Sectio also, ist meine Lieblings OP und ich wäre wohl niemandem böse, wenn er mich abends 19:00 fragen würde, ob ich ihm noch einen Kaiserschnitt assistieren könnte (Ok, je nach Operateur vielleicht mal lieber und mal weniger gerne, aber das ist eine andere Geschichte :P)

Was ist jetzt nun so toll an einer Sectio? Objektiv betrachtet, abgesehen von der Tatsache, dass ein neues Leben die Kälte und Grausamkeit der Welt entdeckt (just kidding, ich meinte natürlich „das Licht der Welt“), ist daran nicht wirklich viel Schönes, muss man ehrlich zugeben. Ich gestehe jetzt hier mal ganz offen, dass mir das erste Mal, dass ich bei einem Kaiserschnitt am Tisch stand etwas der Kreislauf weggeklappt ist und ich mich erstmal draußen hinsetzen musste. :O Danach war ich erstmal kurz traumatisiert und hatte total Angst, dass mir das nochmal passiert, ist es aber nicht und seitdem bin ich glaube ich geheilt. 😀

Wie läuft ein Kaiserschnitt eigentlich genau ab? Gehen wir mal vom unspektaktulären Fall und einer geplanten Operation aus, bei der man also viiiel Zeit hat und sich nicht stressen lassen muss.

In diesem Fall verzögert sich der eigentliche OP Beginn vermutlich so um min. 15 Minuten, die auf die Kappe der Anästhesie (Narkoseärzte) gehen. Denn heutzutage operiert man den Kaiserschnitt mit einer Spinalanästhesie (das ist das wo man über eine Nadel zwischen den Wirbelkörpern Schmerzmittel eingespritzt bekommt und dann ab Brust abwärts nichts mehr spürt), und auch Anästhesisten müssen das üben. Und wo geht das besser als bei einer Schwangeren, die in freudiger Erwartung auf ihr Baby kaum aufgeregt ist, und einen Bauchumfang von nur ca 150cm hat. Mit zittrigen Händen sticht der junge Anästhesist nun also am Rücken der jammernden Frau herum, die sich in diesem Moment wahrscheinlich denkt, mit einer normalen Geburt wäre sie vielleicht doch besser dran gewesen. Irgendwann hat er es dann aber meistens geschafft, ab der Brust wird langsam alles betäubt und die Gynäkologen können mit ihrer Arbeit beginnen.

Falls ihr mal gruselige Horrorstories darüber gehört hat, man würde die Haut und das Gewebe beim Kaiserschnitt nicht schneiden, sondern reißen, dann habt ihr vollkommen richtig gehört, da ist die Heilung nämlich besser. Ist allerdings auch echt etwas verstörend wenn man das zu ersten Mal sieht. Man kann fast vergessen, wo man sich gerade befindet und sich gedanklich schonmal überlegen ob man nun noch Huhn oder Pute beim Metzger kaufen möchte. 😉 Ok ok, nein so schlimm ist es nicht, ich übertreibe natürlich ein bisschen. Wäre ja sonst langweilig 😛

Wir sind jetzt nun also am Ort des Geschehens, der 2. Assistent (= PJler/ Unterassistent= ich) bekommt zwei Haken in die Hände gedrückt mit denen er den Bauch aufhalten muss, plus einen Haken unter den Ellbogen geklemmt mit dem die Blase vor dem scharfen Skalpell geschützt werden soll. Verirrt sich die Blase nämlich zu weit nach oben, dann hat man plötzlich Urin im Bauch und das stiftet Unruhe und Unzufriedenheit. Ist übrigens durchaus bequem wie man da als 2. Assistenz steht, mit geradem Rücken auch sonst ganz entspannt!

Dann geht alles ruckizucki, Gebärmutter auf, Fruchtblase, „PLATSCH“, Fruchtwasser, die erste Assistenz drückt von oben auf den Bauch, als ginge es um Leben und Tod (geht es ja irgendwie auch), Kopf, Baby, Käseschmiere, nass, alles auf deinem Arm, plus Baby praktisch in deinem Arm, Nabelschnur, Hebamme nimmt das Baby, UFF, kritischer Teil geschafft… Du weißt noch wo oben und unten ist und nix dreht sich? Tiptop, wie man hier sagt 😀

Jetzt kommen eigentlich nur noch langweilige Sachen, die Plazenta muss noch „geboren“ werden (das klingt eklig und ist es auch), ja die glibbert auch etwas auf deinem Arm, und dann wird alles  sorgältig Schicht für Schicht wieder zugenäht (hier ist man jetzt nicht mehr in Eile, das Neugeborene ist ja literally in trockenen Tüchern).

Ich entschuldige mich jetzt einfach schonmal im Vornherein, falls ich euch jetzt ein bisschen mit meiner ernüchterndern und unverschönten Beschreibung traumatisiert habe, und ihr ernsthaft überlegt ob ihr überhaupt Kinder bekommen sollt bei den Strapazen die man durchstehen muss 😉 Ich werde übrigens keinen äquivalenten Artikel über eine natürliche Geburt schreiben, davor müsst ihr euch nicht fürchten 😀

Denn das da oben, das ist alles lediglich der objektive, Teil es Kaiserschnitts. Der subjektive, wundervolle Teil beinhaltet das innerliche Grinsen von einem Ende des Mundschutzes zum Anderen, wenn euch ein warmes Neugeborenes tatsächlich praktisch in den Armen liegt und seine ersten Atemzüge macht, die ersten Schreie tut und ihr seht: es ist alles gut gegangen, diesem kleinen Wurm geht es gut und den Eltern auf der anderen Seite des Tuches fällt gerade ein Stein vom Herzen. DU warst Teil eines der glücklichsten Erlebnisse für diese zwei Menschen auf der anderen Tuchseite und das was da in deine Arme geflutscht ist, das ist ein wahres Wunder der Natur. Und ob du jetzt irgendwas auf deinem Ärmel hast oder du total erschöpft vom „Bauch aufhalten“ bist, das stört dich eigentlich kein bisschen. Und deshalb ist der Kaiserschnitt meine liebste OP und ich kann es ehrlich gesagt überhaupt nicht erwarten bis ich meinen ersten eigenen Kaiserschnitt mache! Wenn ich daran denke, bin ich jetzt schon nervös und ich will mir gar nicht ausmalen wie zittrig ich sein werde, vermutlich kein Vergleich zum armen Anästhesie-Assistenzarzt, um auf den auch nochmal zu sprechen zu kommen 😀 Bis es aber soweit kommt bin ich erstmal froh, noch nicht so viel Verantwortung tragen zu müssen und die Babys einfach in meine Arme flutschen zu sehen 😀

Sehen wir mal was mich hier heute so erwartet, ich hoffe ihr habt einen wunderschönen, erfüllenden Tag ihr Lieben!

Eure Anna

 

 

2 Gedanken zu “Annas PJ Stories- der Kaiserschnitt

  1. Mike schreibt:

    Hallo Anna,

    vielen Dank für die PJ-Stories. Dein Schreibstil ermöglicht es einem, gewissermaßen, bei der OP dabei zu sein – und zwar mit einem fetten Schmunzeln im Gesicht. Ich wünsch dir viele gute OPs 😉

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