Annas PJ Stories -2. Assistenz im Gyn OP

Hallihallo 🙂

Neulich stand ich im OP und als mir fast der Arm abgefallen ist, habe ich mir gedacht, ich hätte total Lust eine neue Rubrik in meinem Blog aufzumachen, in der ich euch ein wenig über mein PJ berichte und was mir da jeden Tag so widerfährt. Das Ganze will ich aber versuchen ein bisschen unterhaltsam zu gestalten, sodass ihr euch nicht nur zu Tode langweilt beim Lesen. 😀

Also fangen wir mal an:

Teil 1: 2. Assistenz bei der transvaginalen OP 

Keine Angst Leute, ich erspare euch eklige Details, weiß ja dass ihr sowas gar nicht lesen wollt. Um eklige Details geht es eigentlich (heute zumindest) auch überhaupt nicht. 😉

Ich bin eigentlich echt total gerne im OP, ich mag die Atmosphäre, ich mag den Geruch des Desinfektionsmittels und ich mag es, direkt etwas zu bewirken und nicht nur Medikamente zu verschreiben und ein halbes Jahr zu warten bis sich etwas tut 😉 In der Frauenheilkunde gibt es verschiedene Arten zu operieren: mit einem offenen Bauchschnitt, über eine Kamera (also laparoskopisch) – oder direkt von unten 😀

Letzteres gehört zu meinen am Wenigsten favorisierten Varianten, und  diese eine OP letzte Woche hat mir mal wieder gezeigt weshalb 😀

Zunächst einmal ist da unten einfach extrem wenig Platz. Zum Stehen für den Operateur und den ersten Assistenten ist es eng, aber wenn du dann zweiter Assistent bist, dann wäre es wohl am Besten du würdest von der Decke hängen. Denn, nicht nur ist es für dich  fast zu eng  zum Atmen, der Operateur hat natürlich auch keinen Platz um seine Arme auszubreiten. Und wenn der Operateur keinen Platz hat, dann kann er nicht richtig operieren. Kann der Operateur nun nicht richtig operieren, dann sinkt die Laune – gaaanz schnell. Und hat der Operateur schlechte Laune, dann willst du definitiv nicht in seiner nächsten Nähe stehen.

Kommen wir zu Problem Nummer 2. Man sieht nichts. Das liegt an der Anatomie der Dinge, sorry, kann das nicht komplett außen vor lassen hier in meiner Berichterstattung. Nun gut, also der Operateur sieht zumindest ein bisschen was. Er platziert jede Menge Spatel, Klemmen und andere Hilfsmittel, damit er besser sehen kann. Die etwas filigraneren Geräte werden der 1. Assistenz in die Hand gedrückt, die meistens noch ein klitzekleines bisschen sieht und sich einigermaßem bequem positionieren kann. Und dann gibt es da noch die großen Geräte, die mit roher Gewalt und tonischer Kraft in GENAU der Position gehalten werden müssen, in der der Operateur sie dir in die Hand drückt. Genauer gesagt, wird der Operateur wild mit diesem Spatel herumfuhrwerken, bis er durch ein Grunzen andeutet, dass du ihm den Spatel jetzt aus der Hand nehmen sollst. Dass er den ganze Griff benutzt und du praktisch keine Grifffläche hast um ihn entgegenzunehmen, das ist dein Problem. Dass du weder Platz zum Stehen hast, noch auch nur den Hauch von irgendwas siehst, sollte selbstverständlich sein. Und ich sage euch: etwas in einer Position zu halten, wenn man nicht genau sieht wo diese Position sich eigentlich befindet ist schwer, sehr schwer. Am Tag vor der transvaginalen OP sollte man nicht Arme oder Schultern trainert haben. Oder Rücken. Oder Bauch. Denn das Ganze gleicht einem Fullbodyworkout, mit Balancieren. Ohne Zittern. Ohne Schweiß abwischen. Denn dann kommt noch Problem 3 dazu.

Die Sterilität. Im OP arbeitet man ja, wie wahrscheinlich die meisten von euch wissen, unter sterilen Bedingungen. Der Patient liegt unter einer sterilen Abdeckung, man trägt einen sterilen Kittel und sterile Handschuhe. Nur der Kopf, der ist unsteril. Ist der Operateur jetzt in seine Arbeit vertieft, dann kann es schonmal sein, dass er in einem komplizierten, unübersichtlichen Arbeitsschritt seinen Kopf etwas verrenkt und – hoppla – hat er mit der Haube oder mit was auch immer, das Knie (steril abgedeckt) der Patientin berührt. Bedeutet: diese Stelle ist nicht mehr steril und darf von nichts Sterilem mehr berührt werden. Das wäre sonst nämlich auch unsteril. Stehen wir also vor einer erneuten Herausforderung, denn wer befindet sich gerade am Knie? Oh- das sind ja wir. Hervorragend! Theoretisch könnte man jetzt eine zweite Abdeckung über das Knie kleben, und so die Sterilität wiederherstellen. Aber als OP Schwester will man den Operateur, vertieft in seinen schwierigen Arbeitsschritt (vermutlich sieht er nichts, irgendetwas blutet und er sieht noch weniger) nicht mit Nichtigkeiten wie Abdeckung kleben ablenken und so muss man als 2. Assistenz jetzt halt noch ein bisschen drauf achten, nicht an die unsterile Stelle zu kommen. Kurz den Blick abgewendet – wo darf ich jetzt nicht drankommen? – ein Zischen vom Operateur, er reißt dir den Spatel aus der Hand und faucht: „Genauso halten, wie ich es dir gegeben habe. So – nicht so.“ Du verdrehst innerlich die Augen, versuchst dich zu erinnern, wie es sich anfühlt, wenn der Arm nicht vor Erschöpfung zittert und nimmst den Spatel wieder in Empfang. Bemüht, ihn dieses Mal genau so zu halten, wie es richtig ist. Denn immerhin ist es dein Job dem Operateur gute Arbeitsbedingungen zu bereiten, du willst ja nicht, dass das genze Spiel noch länger dauert 😉

Und irgendwann ist es dann geschafft, der Operateur nimmt dir den Spatel ein letztes Mal aus der Hand, die OP ist fertig, du bist schweißgebadet und erleichtert. Und hoffst, dass das nächste Mal jemand anders das Los der 2. Assistenz zieht.

 

 

 

5 Gedanken zu “Annas PJ Stories -2. Assistenz im Gyn OP

  1. Frojo schreibt:

    Hahahah! Das erinnert mich einfach perfekt daran, als ich als Zahnmedizinischefachangestellte gearbeitet habe! :’D
    Da war es genau das selbe spielchen. :’D
    Perfekt geschrieben! Bitte mehr davon! 😀

    Gefällt mir

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