Girlstalk – PCOS, ein unterschätztes Syndrom

Hallo liebe Mädels 🙂

Heute soll es mal ein bisschen um medizinischen Kram hier gehen, denn ich möchte auf ein Syndrom hinweisen, das je nach Quelle so in etwa 10% von euch betrifft, oftmals aber unentdeckt bleibt und euch so Probleme machen kann.

PCOS ist das Akronym für Polyzystisches Ovarialsyndrom und ist ein Krankheitsbild, welches ab der Pubertät auftreten kann, sehr vielschichtige Symptome ausbildet und auch in seiner Ausprägung sehr variabel ist.

Typische Symptome des PCOS sind:

  1. Unregelmäßiger, verlängerter Zyklus oder sogar gar keine Blutung über einen langen Zeitraum
  2. Auffallend unreines Hautbild im Vergleich zu Anderen, auch nach der Pubertät
  3. Mehr Behaarung im Gesicht, sodass ihr z.B. die Haare auf der Oberlippe als störend empfindet und entfernt
  4. Nicht die typische weibliche Fettverteilung (schmale Taille, breite Hüfte, Problemzone Beine) sondern eher abdominelles Fett („Schwimmring“, schlanke Beine)
  5. Eher die Tendenz zur Gewichtszunahme, Schwierigkeiten Gewicht abzunehmen

Wenn das auf euch zutreffen sollte, dann solltet ihr jetzt auf jeden Fall weiterlesen!

Was ist das „Problem“, das zu oben genannten Symptomen führt?

Der Krankheitsmechanismus ist nach wie vor noch nicht klar, obwohl es inzwischen unzählige Studien gibt, die versuchen die genauen Gründe zu untersuchen. Da es sich um ein vielschichtes Krankheitsbild handelt, sind „Baustellen“ an verschiedenen Organen bzw. Hormonsystemen, die alle ihren Teil beitragen. Heutzutage geht man davon aus, dass der primäre Defekt in einer gestörten Glukosetoleranz und genauer gesagt im Wechselspiel zwischen Glukose und Insulin liegt. So kommt es zu einer Hyperinsulinämie (zu viel Insulin), die wiederum weitere Prozesse anstößt. Insulin ist ein anaboles Hormon, und verhindert die Fettverbrennung, außerdem verhindert es die Produktion von bestimmten Bindeproteinen, was sich wiederum in vermehrter Konzentration von freien Androgenen, also männlichen Hormonen auswirkt.

Durch die Glukoseverwertungsstörungen kommt es vermehrt zu Fetteinlagerungen und bei vielen Patientinnen auch zu Adipositas. Pathognomonisch (bezeichnend) für das PCOS ist die androgene Fettverteilung, bei der sich die Problemzonen auf die Bauchregion konzentrieren, anstatt um die Hüften und den Po (gynäkoide Fettverteilung). Genau dieses abdominelle Fett ist nun metabolisch aktiv, also greift sozusagen in den Stoffwechsel ein. Es ist in der Lage aus inaktiven Vorstufen Androgene und Östrogene (weibliche Hormone) zu produzieren, die die Symptomatik weiter verstärken.

Als weitere Mechanismen wird eine veränderte Ausschüttung von Hormonen aus der Hypophyse diskutiert, die normalerweise einem speziellen Schema folgen. Ist dieses Schema nun gestört, dann funktionieren die sensiblen Regelkreisläufe der Eierstöcke (Ovarien) nicht mehr so wie sie sollen. Folge ist, dass jeden Zyklus neue Follikel (Eizellen) „heranwachsen“, aber sich keiner durchsetzt und heranreift. Somit hat man dann viele kleine Eizellen, die das sonographische Bild (Ultraschall) vom „polyzystischen Ovar“ hervorrufen. So kommt es nicht zum Eisprung, und eure Regelblutung bleibt aus. Wenn ihr keinen Eisprung habt, dann wird auch kein Progesteron (Gelbkörperhormon) gebildet, welches als Gegenspieler zum Östrogen vor allem für die Gebärmutterschleimhaut wichtig ist. Es wird auch noch diskutiert, dass durch die vielen Follikel vom Ovar noch zusätzlich mehr Androgene produziert werden.

Die vermehrte Behaarung und die unreine Haut kommt durch eine Vermehrung eines Enzyms namens 5-Alpha-Reduktase zustande, die Testostesteron in das wirksamere Dihydrotestosteron umwandelt. Dies führt zu einer „Vermännlichung“ (Männer haben generell mehr Dihydrotestosteron) und vermehrter Talgproduktion (–> Akne).

Soweit so gut, oder auch so schlecht…

Was kann man nun als Mädchen mit obengenannten Symptomen machen?

Allererste Maßnahme sollte immer die Gewichtsabnahme (bzw. eher die Fettreduktion 😉 ) sein, falls man sich im Bereich des Übergewichts, bzw sogar der Adipositas befindet. Denn wie wir oben gelernt haben, verschlimmert die metabolische Aktivität des Fettgewebes die Symptomatik erheblich, indem so noch mehr Androgene (männliche Hormone) gebildet werden.

Zweite Maßnahme ist: Sport! Erstens ist Sport sowieso IMMER gut und verbessert so ziemlich alle Vorgänge in eurem Körper. Und andererseits hilft euch Sport dabei euren Körper zu straffen und Fett abzubauen 🙂 Um eure Insulinsensitivität zu verbessern, empfehle ich euch besonders Krafttraining, denn durch das Krafttraining werden vermehrt Transporter eingebaut, die die Glukose in euren Muskel transportieren, und so wird eure Glukosetoleranz verbessert. Netter Nebeneffekt des PCOS sind in diesem Fall die vermehrten Androgene;  während sich manche Steroide spritzen müssen, habt ihr sie direkt mit an Bord und könnt besser Muskeln aufbauen(das ist natürlich ein Spaß, also nicht so ernst nehmen!) 😉

Auch gesunde und proteinreiche Ernährung hat einen großen Stellenwert in der Verbesserung der Symptomatik und Reduktion von Beschwerden. Proteine werden langsam verstoffwechselt und halten lange satt, achtet auch auf langkettige Kohlenhydrate, die erst langsam zerlegt werden und somit nicht so starke Insulinpeaks verursachen, wie kurzkettige KH und Zucker.

Wenn ihr noch nicht wegen euer Symptome beim Arzt wart, solltet ihr das unbedingt machen und auch euren Frauenarzt gezielt darauf ansprechen. Er kann dann mit euch besprechen, welche weiteren Maßnahmen ihr unternehmt, um die Symptome in den Griff zu bekommen. Die Ziele einer Behandlung sind vor allem, die Insulinresistenz zu reduzieren und eure Hormonwerte in den Normalbereich zu bringen, um Nebenwirkungen zu minimieren. Beispielweise kann es durch zu niedrige Östrogenwerte langfristig zu Osteoporose kommen! Und auch für die Gebärmutterschleimhaut ist ein Zyklus sehr wichtig, da das Entartungsrisiko steigen kann, wenn sie nicht regelmäßig erneuert wird!

Medikamentöse Behandlung: ein kurzer Überblick

Unterstützend zu Gewichtsreduktion wird euer Arzt euch vermutlich auch eine medikamentöse Therapie anraten. Hierbei wird er meist unterscheiden, ob ein Kinderwunsch besteht oder nicht. Wenn kein Kinderwunsch besteht und zusätzlich eine Kontrazeption gewünscht wird, dann bietet sich eine antiandrogene Pille an.

Diese Pille verändert nichts an der Grundkonstellation, sie überdeckt eher die Symptome, indem sie euren Körper mit den Hormonen versorgt, die ihm fehlen. Setzt ihr die Pille ab, ist alles wie zuvor. Eine antiandrogene Pille hat spezielle Östrogen- und Gestagentypen, die antagonistisch zu den Androgenen wirken und somit wird sich auch das Hautbild mit der Zeit verbessern. Allerdings nehmt ihr natürlich Hormone zu euch, was nicht jeder mag. Durch die Pille steigt auch das Thromboserisiko und es kann zu Stimmungsschwankungen und durch die Östrogene auch zu Wassereinlagerungen kommen.

Ein anderer Ansatz ist das Metformin, ein Medikament, das vor allem bei Diabetes Typ 2 (umgangssprachlich: Altersdiabetes) eingesetzt wird und ein wahres Wundermedikament ist, dessen genaue Wirkungsweise aber noch nicht zu 100% verstanden wird. Metformin verbessert jedenfalls die Insulinsensitivität in der Leber, als auch in den Muskelzellen und sorgt dafür, dass Kohlenhydrate langsamer aus dem Darm resorbiert werden. Man geht zudem davon aus, dass es auch am Ovar wirkt und somit „vor Ort“ das Krankheitsbild verbessern kann. In Studien konnte durch die Metforminwirkung bei vielen Frauen ein normaler Zyklus induziert werden, daher ist Metformin insbesondere auch für Frauen mit bestehendem Kinderwunsch geeignet. Metformin darf nicht bei Nierenfunktionsstörungen eingenommen werden, als Nebenwirkungen können Übelkeit, Durchfall und Erbrechen, vor allem in der Anfangsphase der Einnahme auftreten.

Um es kurz zusammenzufassen, ist das PCOS zwar eine relativ häufige „Krankheit“, aber nichts, weshalb ihr euch Sorgen machen müsstet! Durch Sport und gesunde Ernährung könnt ihr bereits viel selbst beeinflussen und die Symptome verbessern. 🙂

Ich hoffe, der Artikel hat euch interessiert und ich konnte alles einigermaßen verständlich rüberbringen! Falls ihr noch Fragen habt, schreibt mir sehr gerne und ich freue mich total über euer Feedback und ob generell Interesse an mehr medizinischen Artikeln besteht!

Genießt noch euren Abend,

eure Anna

 

 

 

 

 

 

….

 

 

12 Gedanken zu “Girlstalk – PCOS, ein unterschätztes Syndrom

  1. Frida schreibt:

    Hej Anna,
    danke für diesen Beitrag!
    Ich interessiere mich selbst auch für medizinische Themen, speziell alles rund um Hormone, Sport & Ernährung, da ich selbst betroffen bin (Hashimoto & Östrogendominanz).
    Sehr schön auch mal einen Beitrag zu lesen von einer angehenden Medizinerin, der zeigt, dass „nehmen Sie doch einfach die Pille“ nicht unbedingt die Behandlungsmethode Nr. 1 in dem Fall ist!
    Ich würde mich freuen, wenn du mehr solche Beiträge veröffentlichen würdest, wobei ich die anderen Themen auch sehr interessant & lesenswert finde 🙂
    LG Frida

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  2. Cora schreibt:

    Hej!
    Schöner Artikel, ich lese Deinen Blog wirklich gerne – wieder was dazugelernt! (:
    Schade, dass es weniger Infos (allgemein, nicht bloß in Deinem Artikel) über PCO bei sportlichen, normalgewichtigen Frauen ohne „abweichende Behaarung“ gibt. Aber das liegt vermutlich daran, dass sich Krankheitsbilder besser mit klaren Symptomen darstellen lasse, bzw. deutlich machen, wie sehr jemand unter einer Hormonstörung (kann man das so nennen?) leiden kann.

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    • annasfitstories schreibt:

      Ich sitze als Lebendbeispiel für genau so eine Patientin hier 😉 Da aber ja doch viele Mädels auch mit Übergewicht und Behaarung und so zu kämpfen haben, wollte ich die Symptome auf jeden Fall mit aufnehmen 🙂
      Freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat! 🙂

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  3. Ann-Kathrin schreibt:

    Hallo Anna!
    Vielen Dank für deinen Artikel, denn erst dadurch wurde es bei mir festgestellt.
    Du sprichst in deinem Artikel über die proteinreiche Ernährung und viel Sport. Ist es wirklich damit in den Griff zu bekommen?
    Liebe Grüße
    Ann-Kathrin

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    • annasfitstories schreibt:

      Das ist von Körper zu Körper unterschiedlich, aber es sind auf jeden Fall die ersten Versuche, die unternommen werden sollten und die auch schon einige Symptome lindern können und auch eine Insulinresistenz vermindern oder herauszögern können 🙂
      Natürlich muss man es mit dem Sport nicht übertreiben und die Ernährung nicht total strikt halten, es geht mehr um einen gesunden, aktiven Lebensstil 😊

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  4. Caro schreibt:

    Hallo Anna, danke für diesen tollen Text! Ich finde es echt super, dass du dieses Thema ansprichst und erklärst. Da mein Gewicht im Normalbereich liegt, hat mein Arzt hat mir auch nur ein Pillenrezept in die Hand gedrückt und ich habe mich ziemlich allein gelassen gefühlt mit meinem PCOS. Deswegen freut es mich umso mehr zu hören wie andere Mädels mit damit umgehen 🙂

    Liebe Grüße
    Caro

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    • annasfitstories schreibt:

      Liebe Caro, genau so war es bei mir auch – und als ich dann die Pille nicht mehr wollte, stieß ich bei meinem Arzt um Unverständnis und hab dann angefangen viel zu lesen und mich zu informieren!
      Freut mich, dass dir der Artikel gefallen hat! :*

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  5. Anne schreibt:

    Liebe Anna,
    Toller Beitrag! Ich selbst habe auch PCO und habe mich auch nach der Diagnose ziemlich im Stich gelassen gefühlt und fühle mich immer noch etwas unsicher, obwohl ich schon so viel gelesen habe 😅
    Trägt eigentlich eine gemäßigte Kohlenhydrat reduzierte Ernährung zur Besserung bei?
    Liebe Grüße 🙂

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    • annasfitstories schreibt:

      Liebe Anne,
      Ja,finde auch, dass man sich nie so richtig damit auskennt, selbst wenn man schon so viel gelesen hat, dazu ist es einfach zu komplex und noch zu wenig untersucht. Eine Reduktion der Kohlenhydrate kann auf jeden Fall zu einer Besserung beitragen (natürlich immer davon abhängig wie viele KH du zu dir nimmst und wie deine Körperkomposition so ist), du solltest aber nie das Gefühl haben, dass du dich zu stark einschränkst bzw zu sehr darauf verzichtest.

      Liebe Grüße,
      Anna

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      • Anne schreibt:

        Vielen Dank für deine Antwort 🙂
        Du nimmst ja wahrscheinlich nicht die Pille dagegen… lässt du es denn anderweitig behandeln? Oder nimmst du etwas wie inositol oder Chrom? ☺️

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      • annasfitstories schreibt:

        Die Pille habe ich eine Zeit lang genommen, aber wollte dann nicht mehr meine Symptome nur unterdrücken und auch auf die Hormone verzichten. Deshalb nehme ich jetzt seit ein paar Monaten Metformin und das wirkt 🙂

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